Von Pontius bis Pilatus

#9 Beni Huggel: Athletes Mindset für die Karriere nach der Karriere

Season 1 Episode 9

Vom Spitzensportler zum Co-Founder: Beni Huggel spricht mit Sebastian Huber über den Übergang von der Sportkarriere ins Berufsleben und die wertvollen Fähigkeiten, die Athlet:innen mitbringen. Beni teilt seine persönlichen Erfahrungen und thematisiert den Druck, schnell erfolgreich zu sein - und die Wichtigkeit von Zeit und Demut in diesem Prozess.

Zum Athletes Network von Beni Huggel

  • 1:58 Athletes Network: Ursprünge & Stand heute
  • 6:30 Mindset von Spitzensportler:innen
  • 9:10 Highlights in der Nachsportkarriere
  • 11:11 Gründung als Weggabelung
  • 12:33 Personalvermittlung, Referate, Events
  • 15:18 Was passiert am Ende einer Sportkarriere?
  • 20:53 "Fussballtrainer zu sein machte mich nicht glücklich"
  • 22:06 Bedürfnisse von Spitzensportler:innen vs. Arbeitgebern
  • 25:16 Coachings für andere Sportler:innen
  • 27:00 "Ich sass auf einem höheren Ross als heute"
  • 28:33 Hiring for Attitude, Training for Skills
  • 32:28 Jobprofile und Kompetenzen
  • 34:31 Unternehmertum als möglicher Weg
  • 36:23 "Länger als zur Medaille planen"
  • 38:10 Zeit- und ortsunabhängige Weiterbildung

Von Pontius bis Pilatus ist ein Podcast des Instituts für Betriebs- und Regionalökonomie IBR. Hier gibt es Geschichten von Menschen, die sich auf einen Entwicklungsweg gemacht haben. Es geht um Wegmarkierungen, Stolpersteine und Gipfelkreuzmomente. Und wir wagen uns an «Wetterprognosen» - sprich Trends in unseren Kompetenzfeldern.

Dieser Podcast gibt Orientierung im Wegnetz der Wissens- und Weiterbildungslandschaft. Produziert im Podcaststudio der Hochschule Luzern Wirtschaft, am Fusse des Pilatus. Jeden Monat eine neue Folge, abwechselnd moderiert von Sebastian Huber und Shiva Stucki-Sabeti vom Institut für Betriebs- und Regionalökonomie, eurem Bildungspartner. Produktion: Fabio Sandmeier

Zum Weiterbildungsangebot des IBR: Praxisorientiert und erfolgreich

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[0:00] Und dann habe ich aber gemerkt, okay, die sind ja auch an meinem Mindset interessiert. Und dass das etwas Besonderes ist oder etwas wert ist, das habe ich überhaupt nicht gecheckt. Weil aus meiner Spitzensportkarriere ist das kein Thema gewesen, dass das jetzt etwas Besonderes ist. Über das ist gar nicht geredet worden. Ich habe das Wort Mindset wahrscheinlich erst nach meiner Karriere kennengelernt. Unterdruck können zu liefern, können zu leisten, vielleicht sogar ein bisschen Spass haben, zum Unterdruck können liefern und zu leisten. Die Aufregung vom Wettkampf, vom Vortrag, von der Challenge, auch das zu lieben, das ist das, was wir schon bei fast allen sehen. Teil, und da habe ich auch dazu gehört, zu der Gruppe, ich hätte gar nicht gewusst, was mir Spass macht nebenan. Aber wenn sie am Anfang das Gefühl haben, sie können schon zu weit oben einsteigen, wenn sie das Gefühl haben, sie können Shortcuts nehmen, wenn sie das Gefühl haben, die haben alle keine Ahnung und ich bin sowieso der Oberchecker, dann wird es richtig schwierig. Aber wenn sie eben die Demut zeigen, sich auch Zeit geben, dass sie nicht gerade wieder ein Jahr, zwei nach dem Rücktritt super erfolgreich sein müssen. Da habe ich mich persönlich auch viel zu fest unter Druck gesetzt. Ich habe gedacht, ich muss gleich wieder erfolgreich sein. Und das ist eigentlich gar nicht nötig.

 

[1:11] Music.

 

[1:17] Von Pontius bis Pilatus, herzlich willkommen beim Podcast vom Institut für Betriebs- und Regionalökonomie hier an der Hochschule Luzern. Mein Name ist Sebastian Huber, ich bin Dozent und Leiter Weiterbildung am IBR. Abwechselnd mit meiner Kollegin Shiva Stucki-Sabeti moderiere ich diesen Podcast und freue mich, dass ihr auch heute wieder reinhört. In jeder Folge machen wir uns mit unseren Gästen auf den Weg und entdecken spannende Aufstiege, Gipfelkreuzmomente, aber auch Stolpersteine oder überraschende Weggabelungen. Wir wollen von ungewöhnlichen Erfahrungen lernen, aber auch die Wetterprognosen wogen und Orientierung bieten im Wegnetz der Schweizer Wissens- und Weiterbildungslandschaft.

 

[1:58] Auch heute habe ich eine spannende Persönlichkeit zu Gast. Herzlich willkommen, Beni Huggel. Hallo, freut mich sehr, dass ich hier sein darf. Sehr schön, als Fussballexperte kennen wir dich vom SRF. Du bist aber auch als Co-Founder, als Berater, als Coach unterwegs. Und heute wollen wir ein bisschen über besondere Lebens- und Karrierewege sprechen, insbesondere im Spitzensport und verstehen, welche Rollen auch persönliche Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt spielen. Ich habe gerade nochmal nachgeschaut, vier Jahre, viereinhalb Jahre ist es her, als du mit deiner Geschäftsidee für das Athletes Network bei uns an der HSLU vorbeigehobst. Es gab ein Projekt mit Studierenden, das wir begleiten durften. Und mich interessiert natürlich, was ist jetzt seither passiert? Ja, also wir haben dann tatsächlich die Firma gegründet und ja, uns gibt es immer noch. Wir haben doch jetzt auch schon einiges erlebt und gelehrt. Und bieten der Wirtschaft das Potenzial von ehemaligen und aktiven Spitzensportlern als zukünftige Arbeitskräfte der Wirtschaft ermöglichen. Und auf der anderen Seite für die Athletinnen und Athleten haben wir ein recht grosses Netzwerk mittlerweile von Arbeitgebern, wo Leute einstellen möchten, weil sie Spitzensport gemacht haben oder noch machen. Aber wo ist eigentlich die Idee entstanden? Oder wo ist die Zündung sozusagen von diesem Athletes Network?

 

[3:22] Ja, die hat, also bei mir ist sie, ich kann einfach meinen Weg erzählen, wo sie bei mir entstanden ist. Bei meinem Co-Founder, bei einem meiner Co-Foundern, Dave Heiniger, ist das entstanden, weil er mit einem Athlet, den er kennt, hat einmal das ein bisschen durchgesprochen und das dann eigentlich gemerkt hat, was die Herausforderungen sind von einem Sportler und hat das dann für sich aufgeschrieben in einem Büchlein. Ich habe es zum Glück dann nach Hause geteilt und und einen LinkedIn-Post gemacht und er hat das gesehen und so haben wir uns auch gefunden, aber bei mir ist es eigentlich passiert so, dass ich, immer auch so Anfragen vor Referat und dann, bevor ich das mache, habe ich immer gedacht, ich weiss gar nicht genau, was ich ihnen erzählen sollte. Also es waren so Anfragen von Firmen, was ich da aus dem Sport genau erzählen soll. Und irgendwann.

 

[4:14] Habe ich gesagt, wenn ich immer so Anfragen habe, dann muss ein Bedürfnis da sein. Und das Bedürfnis will ich lieber proaktiv bedienen, als immer so, okay, ich weiss gar nicht so recht, was ich euch sagen soll. Und dann habe ich mich coachen lassen, wenn ich eben die Geschichte aus dem Spitzensport und das, was ich erlebt habe, eigentlich in einem Business-Kontext ummünzen, habe ich dir ein Referat davon gegeben. Und durch das habe ich immer wieder gehört von CEOs oder Leuten, die mich geboten haben, Unternehmer, Leute aus der Wirtschaft, aus dem C-Level, dass es eben gut wäre, so Leute einzustellen, die Spitzensport gemacht haben, oder? Weil die bringen viele Sachen mit, die spannend sind. Und dann habe ich so gedacht, ja, okay, also ich habe mir das eigentlich zuerst gar nicht vorstellen können, weil ich dachte, das bringen ja alle mit und so und habe dann gemerkt, dass das irgendetwas Besonderes ist, habe nachher gefragt, ob dann vielleicht auch jemand mich einstellen würde und das, ist dann auch so gewesen, ich hätte mich dann auch mal nicht mehr vorstellen können, tatsächlich, und aufgrund von dem habe ich gedacht, also gut, wenn ich sogar ich mich hier vorstellen könnte, dann muss doch ein Potenzial vorhanden sein und so ist dann der LinkedIn-Post standgekommen, ich dachte, jetzt wäre doch eine gute Idee eigentlich, ja eben, offenbar das Bedürfnis aus der Wirtschaft, das ich immer wieder gehört habe und eben das Bedürfnis von Athleten, das ich mich selber aus meiner eigenen Biografie kennt habe, das auch zusammenzubringen und so ist dann die Idee von diesem Atlas Network entstanden.

 

[5:40] Und du hast kurz angesprochen, die eigenen Wege, wie ist denn der eigene Weg gewesen, dort wo du jetzt Athleten zusammenbringst mit der Wirtschaft, das scheint ja so ein bisschen eine unklare Beziehung zwischen diesen Anfragen und deiner eigenen Vorstellung, was du jetzt genau anbieten könntest. Genau. Das ist...

 

[6:02] Ich muss auch noch mal ausholen. Ich war mir gar nicht bewusst, dass ich aus dem Spitzensport etwas mitbringe, die interessant sein könnten. Ich habe durch die Anfolge von Referaten gedacht, es könnte interessant sein, um ein Referat zu halten. Aber ein Referat zu halten ist meistens ein One-Off. Du gehst einmal zu einer Firma, dann hältst du dein Referat und dann wirst du selten ein zweites Mal gebucht. Das gibt es manchmal schon, aber es passiert nicht so oft.

 

[6:31] Dann habe ich gemerkt, die sind ja auch an meinem Mindset interessiert. Und dass das etwas Besonderes ist oder etwas wert ist, das habe ich überhaupt nicht gecheckt, Aus meiner Spitzensportkarriere war das kein Thema, dass das etwas Besonderes ist. Über das wurde gar nicht geredet. Ich habe das Wort «Mindset» wahrscheinlich erst nach meiner Karriere kennengelernt. So ist das eigentlich entstanden. So ist eben auch die Idee entstanden, dass dort etwas drin ist, das offenbar man zugänglich machen müsste. Und das Mindset, jetzt wo du verschiedene Athleten beobachtest auf dem Weg nach dem Spitzensport, siehst du das Mindset immer wieder? Gibt es so eine Gemeinsamkeit, wo du sagen kannst, von jeder Sportart, egal wo er oder sie herkommt, da bringt die etwas mit, was tatsächlich spannend ist und der Beweis hat sich auch über den Weg gebracht. Ja, definitiv. Wir sehen, dass fast alle Leute wirklich, also nein, heutzutage sind es wirklich fast alle. Man sieht es sogar bei den Jungen. Zum Spitzspot machen musst du eine gewisse Disziplin mitbringen. Wenn du nicht Disziplin mitbringst, um konstant immer wieder ins Training zu gehen, ins Training zu machen, auch vielleicht teilweise als Hausaufgabe dieses Training zu machen. Wenn du das nicht angibst, dann hast du im Spitzensport je länger, je mehr nichts mehr verloren.

 

[7:56] Diese Biografie, die es noch vielleicht in den 80er Jahren gibt, dass du einfach mit unglaublich viel Talent und mangels Konkurrenz sich durchmogeln können.

 

[8:05] Das gibt es nicht mehr. Und darum ist Disziplin etwas, das extrem entscheidend ist. Dann ist sicher Fokus auch ein Thema. Sich auf etwas fokussieren. Wenn du Sport machst, hast du gar nicht die Möglichkeit, dich auf etwas anderes zu fokussieren. Das hilft, sich monothematisch auf etwas während einer Stunde, zwei Stunden, drei Stunden zu fokussieren. Und das hilft dir eben auch sonst im Leben. Okay, jetzt mache ich Sport, jetzt höre ich auf mit Sport, jetzt mache ich etwas anderes, jetzt mache ich nur das. Ich glaube, das ist ein Punkt. Und natürlich auch unter Druck zu liefern, zu leisten.

 

[8:39] Vielleicht sogar ein bisschen Spass hat, um Unterdruck zu liefern und zu leisten. Ein bisschen die Aufregung vom Wettkampf, vom Vortrag, von der Challenge, auch das zu lieben. Das ist das, was wir schon bei fast allen sehen. Und der Lohn für diesen Einsatz ist ja dann auch, dass es wirklich zu Gipfelkreuzmomenten kommt. So wirklich in Höhepunkte, wo man sagt, da schaue ich lange darauf zurück. Was sind für dich persönlich ein paar von diesen Sternmomenten auf diesem Weg?

 

[9:08] Du redest jetzt von meiner Nachsportkarriere? Beides würde mich interessieren. Von der Sportkarriere ist es sehr dokumentiert. Trotzdem würde ich jetzt mit mehr Abstand etwas anderes herausheben, als vielleicht noch unmittelbar im Sport selber. Aber vielleicht einfach zwei, drei Beispiele von der Sport- und der Nicht-Sportkarriere. Ja, also ich habe die Frage gestellt, weil nachdem ich aufgehört habe in meiner Sportkarriere und ich dachte, jetzt wird es nur noch lauwarm.

 

[9:36] «Jetzt wird alles nur noch lauer.» Also wirklich, ich dachte, die Emotionen, die ich als Spitzensportler erlebe, die werde ich eh nie mehr erleben. Und das ist auch so, aber das ist per se nichts Schlimmes. Also ich habe das einfach am Anfang nur negativ bewertet. Ich habe gesagt, ja, jetzt geht es eigentlich nur noch abwärts und es wird nicht mehr so lustig. Und wenn du mich jetzt fragst, ich bin jetzt doch schon zwölf Jahre zurückgetreten, lange ist es her. Ja, was sind Highlights? Highlights sind zum Beispiel wenn wir mit einem Partner, pitchen, die Präsentation vorbereiten, dort hingehen und er sagt, doch genau, das will ich und wir können eine neue Partnerschaft abschliessen. Highlights sind, wenn ich sehe, wo wir hinkommen sind, wie wir uns entwickelt haben in dieser Zeit.

 

[10:23] Das ist eher ein Moment, der jetzt nicht so ist, wo man so einen Moment festmachen kann, wie jetzt ein Goal oder ein Titel oder so ein Pitch, sondern das ist eigentlich über Zeit, das musste ich auch lernen, dass es Erfolg gibt, der sich auch so über Zeit manifestiert. Und das ist eigentlich ein tolles Erlebnis, sehr nachhaltig, nachhaltiger Erfolg. Die Events, die wir machen, wenn das klappt, wenn wir so ein Event auch vielleicht, ich muss da meistens auch einen Teil, also darf einen Teil präsentieren, ich mache das auch gerne und das sind auch immer Highlights. Aber auch meine Tätigkeit als SRF-Experte, so an einem wichtigsten Landesspiel, dort dann, ja, wenn es so ein bisschen liegt, knistert und der Motor ist voll an und die Zinsen sind geschärft. Das macht mir Spass. Das sind absolute Highlights.

 

[11:11] Und auf dem Weg gibt es ja immer mal Abzweiger, wo man sich entscheidet, gründen wir jetzt oder nicht? Oder mache ich diesen Auftrag, diesen Pitch, diesen Tag oder nicht? Gibt es da so Weggabelungen, wo die besonders in Erinnerung bleiben und sagen, da habe ich bewusst einen Entscheid gefällt und das hat dann auch wirklich eine Wirkung entfaltet? Ja, sicher, dass wir überhaupt gegründet haben, weil bevor wir Gründer hat es Leute gegeben, die gesagt haben, es wird nicht funktionieren, es geht nicht. Und ich bin froh, dass wir, auch ich, mich nicht von diesem Lagen bringen lassen.

 

[11:47] Vielleicht sind wir ja noch gegründet während der Covid. Und das hat so voll gehabt, dass wir natürlich in dieser Zeit dort recht viel Zeit hatten. Also bei mir sind alle Tätigkeiten, alle Referats sind weggefallen, alles Fernsehen ist weggefallen. Und ich hatte sehr viel Zeit. Mein Co-Founder Dave Heiniger hat auch sehr viel Zeit gehabt. Der hat dort gerade gekündigt, sein langjähriger Corporate-Job. Und irgendwann sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen, wenn wir nicht gründen, werden wir nie herausfinden, ob das wirklich eine Idee ist, die funktioniert oder nicht. Und ich bin froh, dass wir zusammen den Mut hatten. Weil sonst hätten wir immer davon geschnurrt, und es wäre vielleicht doch noch eine gute Idee, und es wäre alles im Konjunktiv geblieben. Und so haben wir es in die Wirklichkeit bringen können.

 

[12:33] Und wenn wir noch die dritte Kategorie anschauen, einen echten Stolperstein, der auch mal etwas in die Hose geht. Ich denke, auch das, zumindest aus meiner Erfahrung, gehört das zu der Start-up-Geschichte dazu. Gibt es da im Moment, wo es schwierig war, aber es hat uns auch wirklich vorwärtsgebracht? Ja, definitiv. Zum Beispiel am Anfang.

 

[12:57] Als wir gesagt haben, was ist denn überhaupt die Dienstleistung, die wir erbringen? Wir wollten am Anfang viel mehr Sachen machen, als wir jetzt machen. Also wir waren viel zu breit. Und das habe ich gemerkt, dass es sich auch dort sehr lohnt, sich zu fokussieren. Dass wir gesagt haben, okay, wir machen Spitzensport Personalvermittlung. Und nur das. Und zwar nicht mit dem typischen Personalvermittler-Business-Modell, wo man nach Abschluss zahlt. Weil man gesagt hat, wir wollen langfristige Partnerschaften haben. Und die Athleten, die wir vermitteln, die sollen nicht einfach ein Schnellschuss sein und wir kassieren irgendwie diese Vermittlungshonorar an. Sondern wir wollen das langfristig machen. Und das war jetzt im Nachhinein ein sehr guter Entscheid gewesen. Und auch, dass wir gesagt haben, die Referate, erst eben auch durch meine Erfahrung mit diesen Referaten, das ist immer auch eine Möglichkeit, um sich selber bei einer Firma vorstellen zu können. Ich bin durch die Referate, hatte ich die Chance, nicht mehr zu arbeiten. Und ob ich dort angefangen habe, ob die mich genommen hat, weiss ich nicht. Aber die hätte mir die Chance gegeben, als Quereinsteiger, das war eine Beratungsfirma. war. Ich habe dann gerade noch gefragt, was es war. Genau, und ich musste zuerst einen Bootcamp machen, aber.

 

[14:09] Also dann habe ich gedacht, okay, wenn die sogar so jemand wie mich sich überlegen zu nehmen, wo jetzt ausbildungsmässig jetzt nicht so mega viel vorzuweisen hat, dann ist das ein Potenzial. Und dass wir gesagt haben, eben Referat und Personalvermittlung und dann eben die Events, Astrid, wieso die Events? Weil wir gesagt haben, wir haben ganz viele Interviews geführt, eben unter anderem auch mit eurer Umfrage, die wir am Anfang gemacht haben. Und dann haben wir von vielen ehemaligen Spitzensportlern auch erfahren, dass ihren ersten Job sie irgendwie über «Ich habe einen gekannt, der hat einen gekannt» bekommen haben, wo wahrscheinlich ihr CV in dem Moment von diesen Athleten nicht ganz gepasst hat auf die Anforderung des Jobs. Aber der Arbeitgeber gesagt hat, doch, ich sehe in diesem ehemaligen Sportler ein Potenzial, dass sich der entwickeln kann. Und das basiert eben auch an Events, dass du eben Leute kennenlernst.

 

[15:05] Und darum sind die Events Netzwerkevents Wir machen die Athletes Days, wir laden alle Arbeitgeber ein, die bei uns Partner sind, wir laden alle Athleten ein und als Athlet kannst du die zukünftigen Arbeitgeber kennenlernen und umgekehrt das zukünftige Talent.

 

[15:18] Jetzt haben wir schon mehrfach über den Wendepunkt am Ende einer Spitzensportkarriere geredet. Was passiert denn genau dort, wenn es fertig ist? Was erlebt man denn? Es ist vielschichtig. Ich kann es nicht so ganz schnell und einfach beantworten. Ich hoffe, das ist okay. Ja, ja, klar. Also grundsätzlich fällt natürlich, also ich fange mal an zu erzählen, was wegfällt. Bei vielen fällt das weg, was ihre erste Liebe war und wahrscheinlich auch ihre erste, grösste Leidenschaft in ihrem Leben. Viele Spitzensportler hatten lieber Turnunterricht als sonstige Schule. Und eben dann mit der Leidenschaft für den Sport ist das, was dann eigentlich, ja, das hat das Foto mit frühen Jahren an. Schon in der Vorpubertät. Und dann ist das irgendwann nichts mehr wert in Anführungszeichen. Man kann das nicht mehr ausüben. Natürlich hat es noch etwas wert, aber man kann es nicht mehr ausüben. Es wird einem eigentlich das, was man sehr gerne macht und auch vielleicht sehr gut war, wird einem ein Stück weit weggenommen. Das ist nicht so lustig. Das ist ein grosser Punkt. dann ist es ein Identitätswechsel.

 

[16:30] Wir in der Schweiz definieren uns sehr durch die berufliche Identität und das fällt ja dann weg. Ah, du bist doch der Fussballer. Ja, ehemalig.

 

[16:42] Am Anfang haben die Leute mir auch noch für Leistungen vom FC Basel gratuliert, obwohl ich schon aufgehört hatte. Ich habe es dann irgendwann nicht mehr richtig schnell gesagt, danke vielmals. Und Und ja, dann ist es so, dass man natürlich in etwas vielleicht eben auch bejubelt, bewundert worden ist, Anerkennung durch das bekommen hat, vielleicht auch Geld, vielleicht auch Fame.

 

[17:09] Und das fällt natürlich dann auch weg. Man muss nachher wieder auf einem tieferen Niveau etwas anfangen. Und das ist für viele Leute ja nicht ganz einfach, oder? Das sieht man ja auch bei anderen Leuten aus der Wirtschaft, die irgendwie ich weiss noch nicht, pensioniert werden und vorher einen tollen Job gehabt haben und nachher werden sie nicht mehr so eingeladen für irgendwelche Events und dann merken sie sich vielleicht nicht wegen mir als Person eingeladen worden, sondern wegen meinem Titel. Und das geht ein bisschen in die Richtung, oder? Und das ist natürlich auch etwas, was nicht ganz einfach ist. Und dann muss man einfach auch ein Stück weit im Leben muss man sich sowieso verändern und Und als Spitzensportler wird man einfach gezwungen, sich zu verändern in einer Phase, in der natürlich Gleichaltrige, oft beruflich anfangen zu durchstarten. Wenn man so normale Wege geben oder lehren oder so und dann zwischen 20 und 30 ein bisschen ausprobieren, ein bisschen reisen, ein bisschen studieren, ein bisschen Abschluss machen, vielleicht schon anfangs Familiengründen, vielleicht auch noch nicht, aber meistens mit 30, 35 wird es dann so ein bisschen beruflich ernster.

 

[18:12] Und genau in dem Moment als Spitzensportler geht es bei dir in die erste, sehr grosse oder wird es das erste Mal pensioniert, kann man sagen. Ja. Und das macht es einfach nicht ganz einfach. Und was ich mich immer gefragt habe, ist es immer der Höhepunkt, wo dann auch gleichzeitig der Abschluss ist, also im Sinne von, ich mag jetzt gerade noch und jetzt mache ich das noch einmal und nachher ist es dann fertig. Oder gibt es auch viele oder zunehmende Athletinnen und Athleten, die dann auch nach einem grossen Erfolg noch weiter fortsetzen und auch einfach weiterhin Freude haben, selbst nicht mehr in den ersten Rang dabei zu sein. Was ist da?

 

[18:50] Sportlich meinst du? Ja. Ja, da gibt es alles. Da gibt es die, die das noch ewig rauszögern und weil sie einfach Freude haben. Es gibt auch Sportarten, die prädestinierter sind, um das länger zu machen. Fussball ist es jetzt überhaupt nicht. Aber es gibt natürlich gerade Ausdauersportarten. Ich meine, ja, ich glaube, der Colonia hat irgendwie ein Jahr, zwei nach seinem Rücktritt am Engadiner ist irgendwie, ich weiss, ich weiss auch nicht, das sechste Wort. Ich weiss auch nicht, oder? Es ist nicht so, dass dann das Jahr dass es dann plötzlich schlecht ist. Es ist ja nicht so, aber es kommt sehr auf die Sportart auf an.

 

[19:19] Ich glaube, das muss jeder für sich selber entscheiden. Das ist ja nicht das Thema, aber das Thema ist wie ich wahrgenommen werde. Was will ich in Erinnerung bleiben, sozusagen? Ja, und bin ich auch bereit, einerseits für meine sportliche Leistung in Erinnerung zu bleiben, aber wenn die Leute mich fragen, was machst du eigentlich jetzt? Dann kannst du sagen, ich bin jetzt das und das. Ich mache jetzt das und das. Und eigentlich nicht zuerst anfangen, ich bin ein Ehemaliger, bla bla bla. Und das muss auch jeder für sich selber oder jede für sich selber ein bisschen wissen, wie sie das machen wollen. Ich habe das Privileg gehabt, dass ich in einer Sportart war, in dem ich davor leben konnte. Ich war voll Profi. Es gibt ganz viele Spitzensportlerinnen und Spitzensportler, die in einer Sportart sind, die sie nicht davon leben können. Sie müssen permanent einen Fuss im Arbeiten haben. Manchmal haben sie sogar eine Dreifachbelastung, indem sie studieren, arbeiten und Spitzensport machen. Der Vorteil davon ist, dass meistens der Übergang weniger krass ist als bei jemandem, der voll Profi war. Ist, wie sie sich schon gewohnt sind zum Arbeiten, wie sie auch den Bezug ein Stück weit zur Realität stärken haben, als wenn man so ein bisschen in einer Bubble ist, wo ich war.

 

[20:37] Was ich will sagen, ist, es gibt nicht der oder die Spitzensportlerin. Das ist recht heterogen, was du alles darunter gehörst. Und du propagierst auch mit dem Essays Network, dass man einen Plan entwickeln muss, bevor der Tagungsantrieb ist. Hast du denn für dich einen Plan gehabt?

 

[20:53] Ja, aber ein schlechter. Ja, nein, muss ich sagen.

 

[20:58] Ich habe mit ein paar Kollegen einen Workshop gemacht, die schon auch beruflich etwas mit dem zu tun hatten, aber ich habe sie eingeladen zu mir nach Hause und dann haben wir mit einem Flipchart ein bisschen geschaut und dann habe ich wahrscheinlich bewusst oder unbewusst, dort hingestuert, dass ich im Fussball bleibe und etwas mit Menschen mache und dann ist was für ein Wunder herausgekommen, dass ich eigentlich so Fussballtrainer werde. Und das ist ja, Für das hätte ich ja schon, ob man es ja machen muss, weil das ist eigentlich obvious. Im Nachhinein, muss ich sagen, bin ich, ja, ich habe nicht die professionelle Unterstützung gehabt, aber ich hatte auch nicht die Offenheit gehabt, um mir zu überlegen, komplett etwas anderes zu machen. Für mich ist das so, ich bin so in dieser Fussball-Pubble, ich habe gar nicht genau gewusst, was es nebendran alles für Jobs gibt und was man dort noch alles erleben und erreichen könnte und wie spannend das kann sein. Und darum ist mein erster Weg richtig Fussballtrainer gegangen. Ich kann jetzt im Nachhinein sagen, ich habe es ausprobiert und kann sagen, es ist nicht das, was mich glücklich gemacht hat. Das ist eigentlich sehr gut. Auf der anderen Seite kann man sagen, es sind vier verlorene Jahre.

 

[22:04] Aber ich schaue sie nicht als verloren an. Genau, so ist das mit Weggabelung. Man entscheidet sich und kann dann aber auch wieder nachsteuern.

 

[22:11] Jetzt beim Assids Network engagiert ihr euch eben nicht nur für die, die am Ende von eurer Sportkarriere sind, sondern eben auch für die, die bereits noch in der Sportkarriere drin sind, aber von dem nicht leben können. Also noch weitere Aufgaben wahrnehmen. Wie bringt ihr das unter einen Hut? Oder sind die Bedürfnisse am Schluss vom Netzwerken, vom Sichtbarmachen ähnlich? Oder sind das wie zwei verschiedene Zielgruppen, wo wir eigentlich mit ihnen reden? Ob jemand noch aktiv im Sport ist und nebendran in der beruflichen Welt unterwegs sein will oder schon am Ende der Sportkarriere ist und eine neue Herausforderung suchen? Also nein, es sind nicht zwei verschiedene Gruppen. Es sind einfach verschiedene Bedürfnisse. Gerade Spitzensportler, die einen Teilzeitjob suchen während ihrer Sportkarriere, dort ist es natürlich so, dass sie den Fokus meistens auf den Spitzensport haben und das andere ist, dass sie das ein bisschen mühen. Und trotzdem sind die eigentlich sehr gesucht bei unseren Arbeitgebern. Natürlich ist es manchmal ein bisschen schwierig vom Pensum her, oder wenn sie sagen, sie können nur 20%, das ist ein bisschen schwierig, aber 40% funktioniert eigentlich meistens.

 

[23:14] Und ja, wenn sie das so leisten können, ist das gut. Aber es gibt natürlich auch die Partner, die wir haben, die sagen, wir möchten eigentlich Leute, die sich zu uns als Arbeitgeber, wo das nicht so ein bisschen nebendran ist, was ja normal ist. Und darum ist es eher als Arbeitgeber, also wenn wir mit unseren Partner reden, mit unseren Partnerunternehmen, dort geht es dann darum, dass wir ein bisschen bewusst sein schaffen müssen, hey, das ist für euch eine andere Zielgruppe. Für uns ist es nicht eine andere Zielgruppe, aber für die Partnerunternehmen ist es ein bisschen eine andere Zielgruppe. Ja, und du hast das angesprochen, dieser Balanceakt zwischen verschiedenen Sachen, In der Spitzensportkarriere ist alles zurückgestellt. Der Sport nimmt den maximalen Platz ein. Ist es dann so, dass es den Wunsch gibt, nach dem Ende dieser Sportkarriere etwas anderes zu machen? Jetzt habe ich Zeit, um zu reisen. Ich habe eine andere Passion, die ich schon weiss. Dann würde ich mir das widmen. Oder ist das dann wirklich, wie du es gesagt hast, Auslegeordnung, Flipchart, Standortbestimmung, Nullsetzung. Dann musst du mal wieder herausfinden, was es neben dem Sport noch gibt. Weil ich mich so dem hinzugeben muss. Was ist die Beobachtung für dich? Das kann man auch nicht über eine Leist schlagen, sondern da gibt es auch die, die eine klare Vorstellung haben. Die sagen zum Beispiel, ich will nachher irgendetwas im Marketing machen. Die wissen das schon. Die haben schon einen Plan. Und da gibt es noch einige, die sagen.

 

[24:39] Meine Leidenschaft war so Spitzensport. Mit den anderen Sachen habe ich mich gar nicht so auseinandergesetzt. Und da habe ich auch dazu gehört, zu der Gruppe, ich wusste gar nicht, was mir Spass macht nebendran. Und das ist manchmal ein bisschen Thema, um das vielleicht vorher schon herauszufinden, hilft, auch überlegen.

 

[24:59] Rede ich gerne mit den Leuten, ja oder nein, macht es mir Schwierigkeiten, auf Leute zuzugehen, oder ist das für mich easy? Es geht mehr, sich selber besser kennenzulernen, das grenzt dann schon ein, wo man dann auch landen kann.

 

[25:15] Neben deinem eigenen Erlebnis von diesem Wechsel begleitest du jetzt eben auch ganz viele Sportlerinnen, Athletinnen und Athleten. Was macht das mit dir, jetzt sozusagen neben denen zu stehen und ihnen zur Hand zu gehen auf diesem Weg? Ja, also ich freue mich, wenn sie Freude haben, dass ich ihnen meine Erfahrung weitergeben darf und sie hoffentlich etwas damit machen, was sie weiterbringt. Ich bin manchmal auch ein bisschen, wie sagt man das, Advocatus Diaboli, wie das heisst, also der, wo man gesagt hat, die schlechten Botschaften überbringt. Manchmal höre ich gerade auch von Spielen aus meinem Sport und sage, ich möchte irgendetwas im Fussball bleiben. Dann sage ich, ja was, Trainer? Ja, ich weiss nicht so recht. Was, ein Funktionärsjob? Ja, mal schauen. Dann sage ich immer, schau Trainer, hast du den gleichen Kalender, wie du jetzt als Spieler schaffst du weiterhin am Wochenende? Wolltest du das? Ja, nein. Wenn du ein Nein sagst, dann kannst du gleich aufhören.

 

[26:14] Ja, dann geht es noch ein Moment. Und umgekehrt, wenn du nachher Funktionär sagst, schau, okay, gibt es nicht so viele Jobs und es gibt nicht so eine ganz klare Ausbildung. Da würde ich jetzt dir rote, dass du eher, geh mal in die Wirtschaft, geh mal, studiere BWL, melde bei einem Praktikum, schaue in Firmen hinein und das, was du aus dem Fussball mitnehmen hast, das bleibt ja und in Verbindung mit dem, was du nachher aus der Wirtschaft lernst, kannst du vielleicht wieder mal zurück in die Wirtschaft, äh, in den Sport. Vielleicht bleibst du ja in der Wirtschaft, weil du sagst, hey, Macht auch Sinn, klare Wochenstruktur etc.

 

[26:53] Und jetzt, wo du so viele begleiten oder beobachten darfst, wie schaust du auf

 

[26:59] deine eigenen Wege seit der Sportkarriere zurück? In Sachen, die du anders siehst, jetzt, wo du siehst, wie es andere machen? Ja, also ich sehe natürlich eben, ich muss auch sagen, ich bin auf einem viel höheren Ort gesessen am ersten Tag meiner Nachsportkarriere als heute. Das muss ich ehrlich sagen. Ich habe kein Problem, das zuzugeben. Zum Glück habe ich nie abgehoben gewirkt. Die Leute haben mir immer gesagt, ich sei bodenständig. Das bin ich auch. Ich bin so erzogen worden. Das weiss ich auch, dass ich das bin. Aber an meinem ersten Tag habe ich schon gedacht, ich müsste jetzt schon... Eine meiner Fehlannahmen war, das ist auch etwas, was ich bei vielen Fussballern sehe, ist, dass sie das Gefühl haben, sie gehen in eine Nachwuchsabteilung arbeiten. Und alle finden es total toll, von ihren Erfahrungen zu hören.

 

[27:50] Also alle so, oh wow, ist interessant, erzähl mal. Das ist am Anfang schon so. Da wird einfach mal Know-how abgesaugt, aber that's it. Weil wenn du nachher als Ehemaliger wirklich vorstaffst, die Welle durchzusetzen, dann plötzlich wirst du ein Konkurrent von denen. Und dann ist es dann nicht mehr so, oh, ist es mega interessant, was du erzählst. Also das ist zum Beispiel etwas, eine totale Fehleinschätzung, weil ich, nicht so ein nidischer Mensch und auch Konkurrenz ist für mich etwas, was es gibt, aber ich schaue das nicht an, dass mir einer etwas wegnimmt, sondern ich will mir selber in eine Position bringen, dass ich selber entscheiden kann, was ich annehme. Aber das ist wahrscheinlich eine Haltungs- oder Charakterfrage, ich weiss es nicht.

 

[28:33] Du hast vorher angesprochen, es gibt ja aktuelle Diskussionen rund um Fachkräftemangel und wird dann propagiert. Es geht um die Einstellung im Sinne von «We hire for attitude, we train for skill». Du brauchst nur die richtige Einstellung, dann bringen wir das schon bei, wie das dann in diesem Job funktioniert.

 

[28:51] Aus deiner Erfahrung jetzt, ist das wirklich so, dass eben auch aussergewöhnliche Lebensläufe, Karriere von Sportlern, dann aufgrund eben von eurer Einstellung, von eurer Motivation, von eurer Leistungsbereitschaft Anschluss finden in Jobs, die eben so vielleicht gar nicht ausgeschrieben sind? Das sehen wir, absolut. Wir sehen, dass Teilpartnerfirmen von uns Praktikas ausschreiben, die sie vielleicht sonst gar nicht ausschreiben würden, die sie teilweise sogar noch über uns ausschreiben. Und dann teilweise auch Sportler mit sehr tiefprozentig auch reinnehmen, vielleicht nur einen Tag pro Woche. Aber so können das Talent vielleicht an sich binden und sich nachher so ein bisschen Talentpool aufbauen, wo sie dann nachher, wenn die Leute mehr Zeit haben, weil sie vielleicht den Spitzensport beendet haben, bei ihnen gerade verschaffen können. Und das machen viele, weil sie sagen, wir finden auf dem regulären Markt eigentlich nicht mehr die Leute, die wir möchten, oder wir müssten viel zu viel zahlen. Dann versuchen wir eigentlich so uns das selber aufzubauen. So einen Talentpool aufzubauen. Und das macht, finde ich, mega viel Sinn. Oder ich meine, du weisst es vielleicht besser, aber so wie ich es verstanden habe, ist ursprünglich auch Berufslehre entstanden. dass die Berufsleute gesagt haben, wir müssen den Nachwuchs selber organisieren. Und so ist ja die Lehre entstanden. Und jetzt in Bereichen, wo es nicht so eine klassische Lehre gibt.

 

[30:14] Oder wo man sagt, ich nehme auch einen 30-, 35-Jährigen, einen 40-Jährigen, macht Sinn, der kann das immer noch lernen. Das macht Sinn. Und da sehen wir schon, dass ganz viele Firmen sagen, ich will jemanden mit diesem Mindset, weil den Rest kann ich ihm beibringen. Logisch, wenn das ein extrem spezifizierter Job ist, wo man jetzt ein langes Studium braucht, einen Arzt, kannst du nicht als Quer einsteigen, geht nicht so gut. Ja, nein, ich meine es. Aber alles andere ist möglich, dass man das on the job lernt. Aber da sehen wir auch, da braucht es halt so ein bisschen Bereitschaft teilweise auch von den HR-Abteilungen, die sagen, hey, ich tue jetzt nicht nur klassisch rekrutieren im Sinne von Ausbildung, Berufserfahrung etc., weil Berufserfahrung ist halt oft bei den Sportlern etwas weniger als bei Gleichaltrigen, weil sie eben Spitzensport gemacht haben. Logisch. Braucht es dann auch einen Mindset-Change auf der Seite der Sportler? Du hast es so ein bisschen angeht, dass so ein Selbstverständnis, wenn man am Ende von so einer Sportlerkarriere rauskommt und jetzt auf den Berufsmärkten geht und dann eine Stelle angeboten bekommt, muss selber die Kompetenz mitbringen. Diese Fähigkeiten habe ich wirklich.

 

[31:23] Ja, also das ist auch etwas, was wir uns zur Aufgabe gemacht haben. Dass wir eigentlich versuchen, den Spitzensportler beizubringen, dass sie aus dem Spitzensport ein Mindset gelernt haben, wo ihnen eine gute Basis gibt, um auch in der zweiten Karriere erfolgreich zu sein. Wenn sie es aber nicht mit Demut und Lernwillen kombinieren, dann wird es richtig schwierig. Und das versuchen wir ihnen auch mitzugeben. Sie bringen eigentlich, durch das, was sie im Sport gelehrt haben, sehr viele Sachen mit, die ihnen helfen zum Erfolg zu sein. Aber wenn sie am Anfang das Gefühl haben, sie können schon zu weit oben einsteigen, wenn sie das Gefühl haben, sie können Shortcuts nehmen, wenn sie das Gefühl haben, die haben alle keine Ahnung und ich bin so ein bisschen der Oberchecker, dann wird es richtig schwierig. Aber wenn sie eben die Demut zeigen, sich auch Zeit geben, dass sie nicht gerade wieder ein Jahr, zwei nach dem Rücktritt super erfolgreich sein. Da habe ich mich persönlich auch viel zu fest unter Druck gesetzt. Ich habe gedacht, ich muss gleich wieder erfolgreich sein. Und das ist eigentlich gar nicht nötig, sondern, ja, wenn du mit 35 aufhörst, dann reicht es, wenn du mit 2, 3, 4 dann wieder in einer Position bist, wo du kannst sagen, ja, das macht absolut Sinn.

 

[32:28] Gibt es über die verschiedenen Sportlerinnen und Sportler im Netzwerk auch Erkenntnisse dazu, welche Branchen und Firmen sich besonders eignen oder auch Rollen und Tätigkeiten, die einfach gut anschussfähig sind zu einem Sportler Profil.

 

[32:44] Also wir sehen, dass Dienstleistungsunternehmen sehr interessiert sind an uns, weil es teilweise Sachen sind, die man lernen kann, weil es teilweise auch oft, Rollen sind oder Tätigkeiten, wo es darum geht, wie gut man mit Menschen reden kann.

 

[33:02] Begeistern, überzeugen, sich engagieren. Und das ist natürlich etwas, was man im Sport sehr lehrt. Dass man ja immer wieder im Mannschaftssport auch, aber eigentlich auch im Einzelsport, weil man ist ja in einer Trainingsgruppe, da kann man sich ja seine Peers eigentlich nicht aussuchen, und das führt dazu, dass man sich ja muss lernen, arrangieren unter denen und das ist natürlich schon etwas, das extrem hilft fürs weitere Leben, finde ich und das ist etwas, das sehr gut passt und von den Sportlerinnen und Sportlern können wir sagen, am Anfang haben wir das Gefühl, ja Mannschaftssportler passen mehr zur Teamrolle Aber das stimmt nicht.

 

[33:42] Es gibt sowohl als auch. Man kann nicht sagen, die passen besser. Es geht darum, zu checken die Athleten, dass sie einen Wert haben durch ihren Spitzensport und vielleicht sogar durch ihre Ausbildung. Und auf der anderen Seite können sie das verbinden mit, ich darf am Anfang nicht ganz ungeduldig sein und ich mache mich auf einen Weg, wo, wenn du jetzt mit 35 aufhörst, wo potenziell eine 30-jährige Karriere nach sich zieht und nicht die nächsten sechs Monate. Ein Sprint, oder? Ja, genau. Es ist ein Marathon. Und dort musst du ja am Schluss können, man sagt ja, nach dem 30. Kilometer wird es hart. Das wäre dann etwas im Alter von, ich weiss doch auch nicht. Ende 50 oder so. Ja, genau, so 55. Weisst du, was ich will sagen?

 

[34:30] Genau. Und du hast jetzt ja selber den Weg mit einem Start-up gewählt. Ist auch ein Start-up ein Erfolgsmodell, wo man sich als Sporter dann engagieren kann, investieren vielleicht sogar? Was ist da deine Erfahrung? Ja, also ich meine, Unternehmerwerte hat natürlich Vor- und Nachteile. Selbst und ständig, das ist natürlich das Thema. Aber man kann selber bestimmen, in welche Richtung man will gehen. Aber was ich einfach sehe, ist, es gibt einen Unterschied zwischen Investor und Unternehmer.

 

[35:04] Unternehmer ist, man arbeitet selber. Und im besten Fall hat man ein Skin in the Game und hat dort investiert und will das auch selber weiterbringen. Und ich sage, das geht unter 60% nicht, wenn man da die Tätigkeit hineingeht. Also mehr als 50% muss das sein, sonst wird das nicht laufen. Und das andere ist Investor. Aber ich meine, das ist man auch, wenn man, ich sage jetzt mal, Aktien von der Nestle kauft. Man glaubt an ein Geschäftsmodell, das erfolgreich ist. Wenn man Geld an einem Standort bringt, glaubt man das auch. Das kann man machen. Dort bin ich am Ende.

 

[35:42] Ich habe mich ein bisschen vorsichtig. Ich würde allen Sportlern etwas machen, wo sie selber mitschaffen. Dann haben sie es in den Händen und lernen viel. Und haben nachher mit dem eigenen Geld eine bessere Bekanntschaft gemacht. Weil sie selber operativ entscheidende Fälle, die mit ihrem eigenen Geld zu tun. Man vertraut jemandem, der das hoffentlich gut macht. Aber es ist ein möglicher Weg. Absolut. Es ist einer von möglichen Wegen, eben Start-up, in der Corporate, in der KMU, im Sport bleiben, in einem Verband arbeiten, in einem Verein. Also da gibt es viele verschiedene Möglichkeiten.

 

[36:23] Wenn wir jetzt einen Ausblick wogen wollen, wo siehst du aktuell den grössten Handlungsbedarf um noch mehr Athletinnen und Athleten den Anschluss nach ihrer Sportkarriere dann auch zu ermöglichen? Also du redest aus Athletensicht jetzt? Ja, aus Sicht von Athleten oder auch vom Markt oder der Gesellschaft oder vom Arbeitsmarkt? Also was ich mir wünschen würde, ist, dass es sportmässig.

 

[36:50] Teil von der Karriereplanung ist und wird. Also dass man mit jemandem, der Spitzensport macht, eigentlich nicht immer nur bis zur Medaille plant, sondern vielleicht auch bis zum Ende vom Erwerbsleben mehr oder weniger. Und auf der anderen Seite würde ich es auch gut finden, wenn man das mehr ins Bewusstsein bekommen würde, dass, Spitzensport auch eine Ausbildung ist, dass man da ganz viel lehrt, also dass wir Eltern auch nicht denken, es ist besser, er macht den klassischen Weg mit Gymnasien, den Sport, das kann er vielleicht noch bis 25, 30 machen, das ist nichts, sondern dass man sagt, nein, das, was du im Sport lehrst, das ist so viel wert und eben mit einer Organisation wie unserer wird der Wert noch sichtbar gemacht, dass du auch eine tolle zweite Karriere machen kann. Also, dass vielleicht durch das, das ist jetzt visionär und gross denkt, dass vielleicht sogar mehr Eltern auch ihre Kinder ermutigen, in Sport einzugehen und in Spitzensport, weil es nicht verlorene Jahre sind. Und das ist das, was ich mir auch wünsche. Und dann sicher auch bei den Athleten selber das Bewusstsein, dass wir eine Organisation sind, die ihnen hilft, sie unterstützt. Und eben, dass.

 

[38:05] Sie meinen, dass sie im Sport sich erarbeiten, dass das etwas wert ist hinten raus.

 

[38:11] Was würdest du von uns als Hochschulier zu wünschen auf diesem Weg? Was können wir leisten, um das noch besser möglich zu machen? Wir haben ja auch Bildungspartnerschaften, dass wir unseren Athletinnen und Athleten auch anbieten können, dass sie Zeit- und Ortsunabhängung studieren können. Das ist manchmal ein Thema, weil wir natürlich, wenn die Athletinnen und Athleten ermuntern, dass sie während ihrer Sportkarriere sich edukativ weiterbilden. Gerade die, die im Profisport sind, für die ist das die einzige Möglichkeit. Die können nicht arbeiten, die müssen nicht arbeiten. Sie können sich eigentlich weiterbilden. Und für das braucht es natürlich Hochschulen oder Weiterbildungsmöglichkeiten, wo Zeit- und Ortsunabhängung möglich sind, weil sie oft durch ihren Sport, den der Terminkalender bestimmt, nicht sagen können, ich komme immer am Dienstagmorgen am 8. Das geht halt nicht. Und darum, wenn wir das herangehen mit euch, dann haben wir einen neuen Bildungspartner. Sehr gut. Jetzt befinden wir uns heute ja da im Podcaststudio von der Hochschule Luzernwirtschaft, in Luzern am Fuss von Pilatus. Was steht als nächstes bei dir auf dem Programm? Wo geht der Weg jetzt hin, heute Nachmittag?

 

[39:21] Heute Nachmittag geht er dann wieder zurück nach Basel, weil dort meine Base ist, mein Lebensmittelpunkt. Unser Geschäft als Etnis Network ist in Zürich. zu Hause. Aber ich habe heute einen kompletten Luzern-Tag und darum gehe ich dann gegen Führerobel wieder zurück nach Basel. Sehr schön. Wir wünschen dir, lieber Bedi, auf deinem Weg weiterhin alles Gute, viel Freude und Erfolg. Und ich habe mich sehr gefreut, dass du Zeit gefunden hast, heute für den Besuch hier bei uns im Podcast und hast du uns von deinem Weg erzählen. Ganz herzlichen Dank dafür. Danke für die Einladung und bitte gerne. In der nächsten Folge von Pontius bis Pilatus empfangt dann meine Kollegin Shiva, Miss Finance Angela Migind und entdeckt, was ein ungeraden Lebenslauf ist und was das mit finanzieller Unabhängigkeit zu tun hat. Über den Kommentar zum heutigen Beitrag freuen wir uns über die IBR-Webseite oder die LinkedIn-Fokusseite vom Institut für Betriebs- und Regionalökonomie. Vielen Dank fürs Zuhören und wo immer euer Weg euch anführt, er soll erkenntnisreich sein.

 

[40:21] Music.

 

[40:35] Super, aber du hast aufgenommen, gell? Nicht, dass der... Klassiker.